Tuiga: Geschichte
Tuiga ist eine der fünf
heute noch existierenden Yachten der 15mR-Klasse, für die insgesamt
19 Yachten gebaut wurden. Die 15mR-Klasse wurde 1906 in London geschaffen
als eine von mehreren internationalen Klassen, die alle auf einer Vermessungsregel
aufbauten. Die so geschaffenen Klassen hatten große Auswirkungen
auf den Yachtsport, beendeten sie doch das Chaos an verschiedenen sogenannten
One-Design-Klassen, die meist nur sehr regional vertreten waren. Ein Beispiel
für einen Vertreter aus der Zeit der One-Design-Klassen ist Tigris,
die für die Clyde 20-ton One Design-Klasse gebaut wurde. Diese Klasse
wurde vom Royal Clyde Yacht Club geschaffen und war entsprechend fast ausschließlich
auf dem Clyde anzutreffen. Die mR-Klassen beendeten das Chaos, der Yachtsport
erlebte in der Folgezeit bis zum 1. Weltkrieg sein "goldenes Zeitalter".
In der Folge des Siegeszuges der
mR-Klasse gab auch der König von Spanien bei William Fife III eine
15mR-Yacht in Auftrag, die Hispania. Der Herzog von Medinacelli war ein
Freund des Königs von Spanien, mit dem er auch die Segelleidenschaft
teilte. Beide segelten gemeinsam auf einer 6mR-Yacht. Begeistert beschloß
auch der Herzog, sich eine 15mR-Yacht bei Fife bauen zu lassen. Das Ergebnis
war Tuiga, die der Hispania zum Verwechseln ähnlich sah. Bei der Namensgebung
hielt sich der Herzog von Medinacelli an die Familientradition: alle Yachten
der Medinacellis hießen Tuiga. Die von Fife 1908 geschaffene Tuiga
ist allerdings die letzte dieses Namens gewesen.
Der Entwurf für Tuiga wurde
im Jahr 1908 von William Fife III. gezeichnet, Baubeginn war am 15. November
1908, Mitte Mai des folgenden Jahres war das Boot fertig. In den folgenden
Jahren segelten Tuiga und Hispania auf zahlreichen Regatten gegeneinander.
Tuiga belegte stets den 2. Platz hinter Hispania.
Aufgrund der Ähnlichkeit von Tuiga und Hispania kam das Gerücht
auf, Tuiga ließe Hispania absichtlich den Vortritt, um den Herzog
von Medinacelli nicht in die Verlegenheit zu bringen, seinen König
zu besiegen. Hispania wird derzeit restauriert, man wird also sehen, ob
Tuiga ohne solche königlichen Probleme immer noch die Zweite bleibt.
1916 wechselte Tuiga erstmals den
Besitzer und kam in den Besitz von J. Estlander, einem Schweden. 1918 erwarb
der Norweger Jac M.H. Linvig die Yacht. Tuiga blieb bis 1923 in Norwegen.
In diesem Jahr wurde sie an J.S. Highfield, einen Engländer, verkauft,
der sie in Dorina umtaufte. Ihr nächster Besitzer, J. Colin Newman,
segelte Tuiga von 1334 bis 1938 unter dem Namen Kismet III. Unter seinem
KOmmando überquerte Tuiga als erste die Ziellinie des Fasent Race
trotz einer dramatischen Kollision am Start mit dem französischen
Schoner Hygie. Was nach 1938 folgte, war eine lange Zeit des Verfalls.
Von einer reichen Tabakerbin erworben, vermoderte Tuiga bis 1970 im Hafen.
Dann erwarb sie Ian Rose, der ihr den Namen Nevada gab. Getakelt als Bermuda-Kutter
segelte Tuiga um Mittelmeer. Nach einem kurzen Intermezzo im Besitz eines
griechischen Paares, das der Yacht ihren ursprünglichen Namen Tuiga
zurückgab, gelangte Tuiga nach Zypern.
In Zypern wurde Tuiga 1989 von Duncan
Walker, dem Besitzer von Fairlie Restaurations entdeckt. Walker erwarb
Tuiga für einen Liebhaber klassischer Yachten und überführte
die notdürftig zusammengeflickte Yacht im Winter nach Mallorca. Die
Reise gestaltete sich schwierig, Tuiga leckte so stark, dass die Crew ernsthaft
daran dachte, das Boot aufzugeben. Im März wurde Tuiga nach England
gebracht und bei Fairlie Restaurations originalgetreu restauriert. Seitdem
ist Tuiga das Flaggschiff des Yachtclubs von Monaco.